Konsum (episch-dramatisches Theaterstück 2016)

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Episch, das bedeutet eigentlich nichts anderes als erzählend. Dramatisch, das ist spielend. Das Epische und das Dramatische, das sind zwei grundlegende Spielweisen des Theaters. Eine Frage unter uns: Was hältst du von der Behauptung, dass uns der Schauspieler mehr mitnimmt, je tiefer er in seiner Rolle „versinkt“, so richtig „in ihr aufgeht“, quasi „zu ihr wird“?

Stell dir doch einfach mal vor, in einem Horrorfilm wird Atmosphäre aufgebaut: Gewitter, Stromausfall, ängstliches Opfer, das ganze Programm. Es nimmt dich mit, weil du dich in das Opfer einfühlst, das gleich erstochen werden soll. Und plötzlich verhält sich diese Figur aber ganz anders als erwartet, alle Angst scheint von ihr abzufallen und sie zeigt dir den Vogel in die Kamera, so nach dem Motto: „Wir wissen doch alle, was mich da gleich in der Dusche erwartet, da geh ich bestimmt nicht rein.“ Das ist dann eine epische Spielart, die in dem Fall vielleicht ausschließlich komisch wirkt, aber wir bekommen eine Vorstellung davon, was noch möglich ist.

Bei moralischen Fragen werden wir durch das Erzählende im Spiel aus dem Gefühl, das wir für die Figur empfinden, herausgeworfen und bringen das Publikum dazu sich zu verhalten. Wir bringen es dazu, sich zu fragen: Wie finden wir das, wie würden wir reagieren? Dann wird von der Bühne zum Publikum hin gesprochen, etwas oder jemand wird kommentiert, vielleicht sogar die eigene Rolle. Wir gehen also weg von der unmittelbaren Emotion für eine Sache und produzieren eine intellektuell-künstlerisch-moralische Auseinandersetzung, die am Ende in einem tieferen, weil differenzierteren Gefühl bei allen Beteiligten enden kann.

(Münster 2016)