Der Weltuntergang (Theaterstück 2017)

Alle Bilder auf dieser Seite stammen von Verena Blom. Ein Film folgt.

… oder: Die Welt steht auf jeden Fall nicht mehr lang

von Jura Soyfer

Die Erde ist aus dem Takt geraten. Sie hat die ihr vorgegebenen Bahnen verlassen, weil sie Menschen bekommen hat. Daher beschließen die Planeten einen Kometen loszuschicken, um die Erde von dieser Plage zu befreien.

Es werden auf satirisch-kabarettistische Weise die Geschehnisse im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs beleuchtet. Kritisch, aber gleichzeitig höchst humorvoll setzt sich das Stück mit den Handlungsweisen der Staaten und ihrer Vertreter, vor allem aber mit den Reaktionen der Menschen auf die bevorstehende Katastrophe auseinander. Es beschreibt die Scheinaktivitäten der Mächtigen, zitiert die leeren Worthülsen, mit denen Tatsachen heruntergespielt und die Bevölkerung beschwichtigt werden und zeigt die Geschäftemacherei mit der Bedrohung. Es führt aber auch die Verhaltensweisen der Betroffenen vor, die sich in Autoritätsgläubigkeit oder Ignoranz flüchten und sich vor der Wahrheit verschließen. Nur wenige sind bereit sich für die Abwendung der Katastrophe einzusetzen.

Bemerkenswert ist – neben dem aktuellen Bezug zur weltpolitischen Lage – der überraschende Schluss: eine Liebeserklärung an die Erde und die Menschen. Trotz des unermesslichen Leids und der ungeheuren Grausamkeiten, denen viele Menschen ausgesetzt waren und sind, glaubte Jura Soyfer an die Überwindung des Hasses und sagte der Welt eine friedvolle Zukunft voraus.

Jura Soyfer wurde am 8. Dezember 1912 in Charkow, Ukraine geboren und starb am 16. Februar 1939 im KZ Buchenwald an Typhus. Er zählt zu den bedeutendsten politischen Schriftstellern Österreichs der 1930er Jahre. Er publizierte in mehreren Zeitschriften und verfasste insgesamt fünf Stücke und drei erhaltene Szenen. Seine Werke wurden in 30 Sprachen übersetzt.

(Evinghausen 2017)